Zeitzeugin Rozette Kats und jiddischer Jazz im Kleinen Theater am Markt

Begegnung mit einer Shoah-Überlebenden und Benefizkonzert mit Mirjam van Dam.

Wahlstedt. Eine besondere Doppelveranstaltung auf Initiative der Bundestagsabgeordneten Melanie Bernstein verbindet am Montag, 14. September, im Kleinen Theater am Markt in Wahlstedt das Erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialismus mit einer musikalischen Botschaft der Verständigung und Hoffnung.

Am Vormittag berichtet die Shoah-Überlebende Rozette Kats vor rund 400 Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften über ihre Lebensgeschichte. Die um 10 Uhr beginnende Veranstaltung ist bereits vollständig ausgebucht.

Rozette Kats überlebte die Shoah, weil ihre Eltern sie als Säugling verstecken konnten. Ihre Eltern und ihr kleiner Bruder wurden in Auschwitz ermordet. Ihre Geschichte handelt jedoch nicht nur vom Überleben, sondern auch von einem langen Leben mit Angst, dem Verbergen der eigenen Identität und den seelischen Folgen von Ausgrenzung und Verfolgung.

„Zeitzeugen wie Rozette Kats sind Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ihre Lebensgeschichte macht deutlich, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht nur aus Zahlen und historischen Daten bestehen, sondern aus den Schicksalen von Familien, Kindern und Menschen“, erklärt die Bundestagsabgeordnete Melanie Bernstein.

Die Botschaft von Rozette Kats sei angesichts des wieder zunehmenden Antisemitismus besonders aktuell. „Nie wieder bedeutet nicht nur, sich zu erinnern. Es bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen, Haltung zu zeigen und jeder Form von Antisemitismus, Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten“, betont Bernstein.

Jiddischer Jazz am Abend

Um 20 Uhr beginnt im Kleinen Theater am Markt das öffentliche Benefizkonzert „Jiddischer Jazz“ mit der Sängerin und Erzählerin Mirjam van Dam sowie dem Pianisten Ed Boekee. Einlass ist ab 19 Uhr.

Das Programm führt das Publikum in die jüdischen Schtetls des alten Europas und von dort über den Atlantik nach New York. Die musikalische Reise reicht von Odessa bis zur Lower East Side, wo sich jüdische Musik mit dem Jazz verband und das jiddische Theater die spätere Unterhaltungswelt Hollywoods beeinflusste.

Jüdische Komponisten und Textdichter begannen seinerzeit, mit afroamerikanischen Jazzmusikern zusammenzuarbeiten. So entstand eine Musik, die trotz ihrer von Verfolgung und Auswanderung geprägten Vorgeschichte Lebensfreude, kulturelle Offenheit und Hoffnung vermittelt: nostalgisch, swingend und mit jüdischer Seele – „neshome“.

Mirjam van Dam ist die Tochter von Rozette Kats. Im vergangenen Jahr begleitete sie die Verlegung der Gedenkplatten auf dem Segeberger Marktplatz musikalisch. „Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren von ihrer Musik tief beeindruckt und wünschten sich ein abendfüllendes Konzert. Dieser Wunsch geht nun in Erfüllung“, erklärt Melanie Bernstein.

Das Benefizkonzert unterstützt die Jugendarbeit der Jüdischen Gemeinde in Bad Segeberg und die „Stolpersteine“ in der Region.

Der Eintritt kostet 25 Euro. Schülerinnen, Schüler und Studierende können kostenlos teilnehmen. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.

Termin: Montag, 14. September, 20 Uhr
Einlass: 19 Uhr
Ort: Kleines Theater am Markt, Rudolf-Gußmann-Platz 1, 23812 Wahlstedt
Eintritt: 25 Euro - Homepage: www.theater-wahlstedt.de.

Für Schülerinnen, Schüler und Studierende kostenlos per E-Mail reservieren: melanie.bernstein@theater-wahlstedt.de.