Haushaltssperre in Nahe: Bürgermeister und Finanzausschussvorsitzende müssen Ursachen offenlegen

Unbefristete Ausgabensperre wirft Fragen zur Finanzplanung und politischen Verantwortung auf.

Nahe. Die Gemeinde Nahe muss ihre Ausgaben erheblich einschränken. Bürgermeister Peter Scharbau hat mit Schreiben vom 8. Oktober 2026 eine sofortige, unbefristete allgemeine Haushaltssperre angeordnet. Als Begründung nennt er die aktuelle Haushaltslage und eine „Fehlentwicklung bei den Erträgen und Aufwendungen“. Wie groß die finanzielle Lücke ist, welche Ursachen sie hat und seit wann sie absehbar war, geht aus dem Schreiben nicht hervor.

Die Einschränkungen reichen weit: Neue Verpflichtungen, Aufträge und Ausgaben dürfen nur noch eingegangen beziehungsweise geleistet werden, wenn sie zwingend notwendig sind. Betroffen sind freiwillige Leistungen ebenso wie Sach- und Investitionskosten. Ausgenommen bleiben unter anderem gesetzlich oder vertraglich unabweisbare Zahlungsverpflichtungen sowie bestimmte unaufschiebbare Ausgaben. Über begründete Freigabeanträge entscheidet der Bürgermeister nach Prüfung der Dringlichkeit.

Welche konkreten Folgen das für Vereine, Angebote für Kinder und Jugendliche, gemeindliche Einrichtungen oder geplante Investitionen hat, bleibt in der Anordnung offen. Damit fehlt den Betroffenen bislang eine wesentliche Information: Welche Vorhaben können weiterlaufen, welche müssen warten und welche stehen insgesamt infrage?

Appell an Verantwortungsbewusstsein ersetzt keine Erklärung

Scharbau fordert in seinem Schreiben Disziplin und Verantwortungsbewusstsein, um die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinde zu sichern. Dieser Anspruch muss allerdings auch für die politisch Verantwortlichen gelten. Ein Appell zum Sparen beantwortet noch nicht die Frage, wie es zu der Entwicklung kommen konnte.

Erklärungsbedarf besteht beim Bürgermeister, bei der Vorsitzenden des Finanzausschusses, Melanie Krüger, und bei den weiteren an den Haushaltsentscheidungen Beteiligten. Wann wurden Abweichungen von der Planung erkannt? Wann und in welchem Umfang wurden die Gemeindevertretung und der Finanzausschuss informiert? Welche Gegenmaßnahmen wurden geprüft oder bereits eingeleitet?

Ob vor allem Einnahmeausfälle, steigende Kosten oder gemeindliche Entscheidungen zur jetzigen Lage geführt haben, lässt sich aus der vorliegenden Anordnung nicht feststellen. Gerade deshalb braucht es eine nachvollziehbare Darstellung mit belastbaren Zahlen.

Für tiefergehende Fragen verweist Scharbau ausdrücklich auf die Finanzausschussvorsitzende. Damit steht auch Krüger vor der Aufgabe, die Entwicklung öffentlich zu erläutern: Welche Warnsignale lagen dem Ausschuss vor, wie wurden sie bewertet und welche Empfehlungen hat das Gremium ausgesprochen? Der Verweis auf die Ausschussvorsitzende entbindet den Bürgermeister zugleich nicht davon, seine eigene Bewertung und sein Handeln zu erklären.

Weitere Maßnahmen angekündigt – konkrete Perspektive fehlt

Weitere Konsolidierungsmaßnahmen kündigt Scharbau bereits an. Welche Einsparungen vorgesehen sind und unter welchen Voraussetzungen die Sperre aufgehoben werden kann, nennt er jedoch nicht. Auch ein Zeitplan fehlt.

Die Haushaltssperre allein belegt keine Zahlungsunfähigkeit der Gemeinde. Sie ist aber ein deutliches Signal für eine angespannte Finanzlage. Umso dringlicher sind jetzt Transparenz, klare Prioritäten und ein nachvollziehbarer Weg zurück zu einem tragfähigen Haushalt. Die Einwohnerinnen und Einwohner müssen erfahren, wie es um die Gemeindefinanzen steht – und welchen Beitrag die Verantwortlichen zur Bewältigung der Lage leisten.

Auch unabhängig von der Haushaltslage ist die Arbeit der Naher Gemeindevertretung seit dem Rücktritt von Bürgermeister Dr. Manfred Hoffmann (CDU) im Oktober des letzten Jahres von personellen Wechseln und Konflikten geprägt. Nach der Amtsübernahme durch Peter Scharbau (WDN) kam es zu mehreren Rücktritten sowie zur Abberufung eines Ausschussvorsitzenden. Zwei Gemeindevertreter legten ihre Mandate nieder. Keiner der infrage kommenden Nachrücker war bereit, eines der frei gewordenen Mandate zu übernehmen.

Die Häufung mehrerer Ämter bei einzelnen Gemeindevertretern wirft zudem die Frage auf, ob die damit verbundenen Aufgaben noch angemessen bewältigt werden können. Kritik am Bürgermeister übt auch Gemeindevertreter Uwe Voss (CDU). Er wirft Scharbau vor, ihn unzureichend zu informieren und von Beratungen auszuschließen. „Damit verstößt der Bürgermeister gegen § 2 der Geschäftsordnung der Gemeindevertretung Nahe, wonach er seine Aufgaben gerecht und unparteiisch wahrzunehmen hat“, erklärt Voss, der auch Kreisvorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung ist.

Weitere Informationen werden voraussichtlich in der Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstag, 29. Oktober, um 19:30 Uhr im Bürgerhaus an der B 432 bekannt gegeben. Bürgerinnen und Bürger haben dort die Möglichkeit, in der Einwohnerfragezeit nachzufragen.